Station III

    Seit wann gibt es Glas?

    "Bei über 4000 Jahren Glasgeschichte sollte man sich erst einmal setzen" - die Künstlerin hat sich darum diese liegende Vitrine zum Draufsetzen ausgedacht. Die konkaven und konvexen Füße sind eine Idee aus der Fachschule für Glasbautechnik Vilshofen. 120 einzelne zugeschnittene Glasteile wurden aufeinandergeschichtet und verklebt. Die Sitzfläche wurde, wie auch bei der Bank von Station VI, aus drei Glastafeln hergestellt: zwei aus teilvorgespanntem Glas (TVG) und eine aus Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG).

    Das Glitzern und die Transparenz waren sicher schon immer das Faszinierendste am Werkstoff Glas. Ines Nickchen hat dabei an eine Landschaft aus Glas statt aus Steinen und Erde gedacht. Hierbei wurde ein ganz besonderes Glas, das die Fachleute Dallglas nennen, verwendet. Es kommt, wie auch das andere farbige Glas des waldGLASwegs, aus der berühmten Glashütte Lamberts in Waldsassen, die noch heute nach den alten Methoden Glas herstellt.

    Dallglas ist dickes, gegossenes Glas. Auch das römische Fensterglas wurde gegossen, allerdings gab es bei uns im Taunus keine römische Glasproduktion. Der „platte Römer“ in der Bank kann vielfach interpretiert werden. Sein Name hat nichts mit Rom zu tun, sondern mit „rühmen“. Und er wurde schon gar nicht zur Römerzeit produziert, sondern seine Form stammt aus der Neuzeit.

    Zu der gläsernen Landschaft gehören auch die drei Hütten aus Glas – nämlich Glashütten. Dazu hat Ines Nickchen Glasscherben in ihren Keramikbrennöfen verschmolzen. In der frühen Glastechnik wurde immer schon Altglas verwendet, also recycelt. Durch Zugabe von Glasscherben konnte der Schmelzpunkt gesenkt werden – man brauchte dann weniger Energie.


    Text auf der Bank Station III

    Seit über 4.000 Jahren kennt die Menschheit den Werkstoff Glas, eine Flüssigkeit, die aus geschmolzenem Quarz hergestellt wird und niemals ganz erstarrt.

    Reiner Quarz oder Quarzsand schmilzt erst ab ca. 1.800° C. Wenn aber einem Teil Sand zwei Teile Asche zugefügt werden, lässt sich der Schmelzpunkt auf ca. 1.100° C. herabsetzen.

    Vom 2. Jahrtausend vor Chr. bis in das 1. Jahrhundert nach Chr. wurden Glasgefäße, zunächst in Ägypten und Syrien, um einen Sandkern herum geformt.

    Im 1. Jahrhundert v. Chr. wird die Glasmacherpfeife erfunden, und die Technik des geblasenen Hohl- und Flachglases setzt sich langsam durch.

    Die Römer im Germanien des 1. bis 4. Jahrhunderts nach Chr. hatten schon Glasfenster in ihren Kastellen am Limes und benutzten schön geformte und verzierte Glasgefäße. Es gab aber keine eigene Produktion im Taunus. Glas wurde importiert.

    Für das späte 12. Jahrhundert nach Chr. konnten mehrere Ein-Ofen-Anlagen im Taunus nachgewiesen werden, in denen Glas aber nur geschmolzen wurde. An anderer Stelle (in Klöstern, Burgen) wurde es ausgearbeitet.

    Im 15. Jahrhundert arbeiteten drei Waldglashütten im Glaskopf- und Emsbachgebiet. Schmelzen und die Weiterverarbeitung zu Gebrauchsgegenständen fand jetzt an einem Ort statt. Die Glashütte „An der Emsbachschlucht“ ist die älteste. Hier wurden nur Produkte aus einfachem grünem Waldglas produziert. In der Glashütte „Unterhalb Dornsweg“ wurde Glas in vielen Farben hergestellt. Eine Besonderheit ist das rote Glas. Die Glashütte „Am Buchholzweg“ fertigte Gefäße mit besonders schönenVerzierungen an.

    Anfang des 17. Jahrhunderts bestand für eine kurze Zeit die „Alte Glashütte Oberems“ im Hobholz.

    1676-1686 Betriebszeit der Kauffelt-Hütte am Stockborn. Der Ort Glashütten wird danach gegründet.

    1675-1700 Betriebszeit der Wentzel-Hütte am Kalbshecker Bach (Gemarkung Schloßborn).

    Danach Ende der Waldglashütten und Beginn der Manufakturen.