Station VII

    Spätmittelalterliche Glashütte „An der Emsbachschlucht"

    In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts arbeitete hier auf einer Fläche von etwa 300qm eine Waldglashütte, die aus einem Hauptofen und vier Nebenöfen bestand. Die noch erhaltenen Grundsteine auf dem Gelände lassen erkennen, dass es sich bei den Öfen um gemauerte Kuppelbauten gehandelt hat, die wie große Bienenkörbe aussahen. Im Norden des Areals befindet sich mit etwa 7 x 4 m der größte Ofen, der mehrere fensterartige Arbeitsöffnungen hatte. Durch diese konnten die Glasbläser flüssige Glasmasse aus großen Gefäßen entnehmen, die im Innern des Ofens standen. Die Öfen 2 - 5 hatten außer Feuerungs- oder Schürkanälen keine Öffnungen und dienten zum Trocknen von Materialien, zum langsamen Abkühlen der geblasenen Glasgefäße und vor allem als Strecköfen für die Flachglasproduktion. Zur Herstellung von Flachglas wurde zuerst ein Glaszylinder geblasen, dann aufgeschnitten und auseinander gebogen. Im Streckofen legte man die noch heißen und weichen Glasplatten aus und ließ sie langsam abkühlen, damit sie nicht zersprangen.

    Hergestellt wurde auf dieser Glashütte vor allem einfaches grünes Waldglas, sogenanntes Holzascheglas. Aus diesem fertigte man ungefähr je zur Hälfte Flachglas und Hohlglas, vor allem Becher.

    Die Anlage einer Glashütte setzt fließendes Wasser voraus, reichlichen Holzbestand und befahrbare Wege. Für den Bau der Öfen werden mit Ochsenfuhrwerken große Steine in die Nähe des Baches gekarrt. Während der Produktion muss hochwertiger, reiner Sand zur Hütte transportiert werden. Ein oder zwei Glasmeister leiten die Hütte. Nur sie kennen das Geheimnis der Herstellung des Glases. Die Glasmacher fertigen auch die großen, feuerfesten Tongefäße für die Schmelze aus Sand und Asche an. Aschebrenner gewinnen im Wald aus Altholz saubere Asche oder brennen im Winter ganze Bäume ab. Holzschläger fällen Buchenholz für das Feuer in den Öfen. Drei Schürer beheizen die Öfen.

    Bis zu 12 Glasknechte werden gebraucht, von denen im Schichtbetrieb immer vier gleichzeitig am Hauptofen als Glasbläser tätig sind. Ein Strecker bügelt aufgeschnittene Hohlgefäße glatt und stellt Flachglas für Fenster her. Familien müssen mithelfen, auch die Kinder. Frauen waschen und zerkleinern Altglas, das der Schmelze zugesetzt wird. Sie verpacken die Ware in Stroh und schichten sie in Transportkörbe. Kinder leisten Zuarbeit aller Art. Ein Glasbläser muss spätestens mit 14 Jahren als Lehrling beginnen. Die Arbeit am Ofen ist hart. Die meisten Glasmacher bekommen durch die Hitze des Feuers Augenleiden. Und Glasmacher haben immer Durst!

    Am Emsbach wurde nur einfaches grünes Glas hergestellt in unterschiedlichen Formen und Größen von Bechern, Flaschen, Apothekergefäßen und Fensterglas. Von Ostern bis Martini wurde gearbeitet. In der Zeit wohnten wohl auch die Familien im Hüttenbereich. Oberems lieferte die Lebensmittel.

    In der Reisebeschreibung des Sir John Mandeville um 1425 ist eine wohl böhmische Glashütte abgebildet. Auf dieser sieht man Glasbläser, die durch Arbeitsöffnungen im Ofen die Glasmasse aus Schmelztiegeln (Glashäfen) entnehmen und verarbeiten. Der Arbeitsbereich ist durch ein einfaches Holzdach geschützt, das von Pfosten getragen wird. Die Anlage „An der Emsbachschlucht“ hat sicher eine ähnliche Überdachung gehabt, von der aber nichts erhalten geblieben ist. Ebenso wenig gab es hier Hinweise auf Wohngebäude. Die Glasmacher wohnten um die Mitte des 15. Jahrhunderts noch nicht auf der Hütte, sondern in einem nahe gelegenen Dorf, in diesem Fall wahrscheinlich Oberems.

    Der sehr günstig gelegene Platz „An der Emsbachschlucht“ war viele Jahrhunderte lang eine Eisenverhüttungsanlage. Beträchtliche Mengen an Holzkohle überall im Gelände belegen auch das „Köhlergewerbe“ an diesem Standort. Wasser, Holz und die nahe Fernstraße nach Frankfurt waren Voraussetzungen für derartige mittelalterliche/frühneuzeitliche Waldbetriebe.

    Nach Abschluss der archäologischen Ausgrabungen durch Dr. Peter Steppuhn und ehrenamtliche Helfer im Jahr 2000 wurde der Standort wegen seiner wissenschaftlichen und touristischen Bedeutung durch den Umlandverband Ffm. konserviert. Der Naturpark Hochtaunus erschloss das Gelände durch eine offizielle Zuwegung.


     

    Text auf dem neuen Glasschild bei Station VII

    Im Freilichtmuseum Hessenpark, Neu-Anspach, befinden sich in einer Dauerausstellung „Waldglashütten im Taunus" die Ergebnisse aller archäologischen Grabungen, weiteres Fundmaterial und anschauliche Darstellungen der Glasproduktion im Taunus.

    Im Bürgerhaus des Ortsteils Glashütten sowie im Heimatmuseum Schloßborn informiert je eine Vitrine mit reichlichem Material über die Taunusglashütten.