Der Borkenkäfer wütet in unserem Gemeindewald und richtet großen Schaden an!

    Wie auch im gesamten Taunus und vieler Orts in Hessen haben sich verschiedene Borkenkäferarten, insbesondere der „Buchdrucker“, in den letzten zwei Monaten explosionsartig vermehrt und innerhalb kürzester Zeit großen Schaden in unserem Gemeindewald angerichtet!

    Davon konnten sich Vertreter der gemeindlichen Gremien am Samstag, dem 22.09.2018,  bei der jährlichen Waldbegehung ein Bild machen. Unter der fachkundigen Führung von Förster Matthias Plescher wurde die Lage im Gemeindewald ausführlich erläutert.

    Der Borkenkäfer findet in Folge der Windwürfe im August 2017, am 03.01.18 („Burglind“) und am 18.01.18 („Friederike“), welche viele Waldbestände der Gemeinde Glashütten bereits stark geschädigt haben und vor allem aufgrund der vorangegangenen langanhaltenden Dürre und Hitze ideale Voraussetzungen.

    Das Schadholz, welches im Zuge der Stürme außerplanmäßig angefallen ist, war bereits aufgearbeitet und vermarktet, ebenso das von der ersten Borkenkäfergeneration geschädigte Holz im Frühjahr. Der im Wald verbliebene Schlagabraum und äußerlich nicht erkennbar geschädigte Bäume waren jedoch für den Käfer ein „gefundenes Fressen“.  Hauptursächlich für die aktuell im ganzen Land zu beobachtende Borkenkäferkalamität ungekannten Ausmaßes ist jedoch der „Jahrhundertsommer 2018“.

    Ein gesunder Baum produziert  Harz und kann damit die Schädlinge abwehren. Die Bäume sind aber mittlerweile aufgrund der monatelangen Dürre stark geschwächt und haben dem Käfer nichts mehr entgegen zu setzen. So konnten sich vor allem die Buchdrucker ungehemmt ausbreiten. Statt üblicherweise zwei bis maximal drei Borkenkäfergenerationen im Jahr befindet sich mittlerweile bereits die vierte Generation kurz vor dem Ausflug der fertig entwickelten Jungkäfer.

    Die Schädlinge nisten sich unter der Rinde ein, unterbrechen mit ihren Gängen die Wasser- und Nährstoffversorgung des Baumes und dieser stirbt ab. Sichtbares Zeichen für Borkenkäferbefall sind die  rot werdenden Kronen, abfallende grüne Nadeln, Bohrmehl der Käfer an der Rinde, (normalerweise) Harzfluss am Stamm, Spechtabschläge auf der Rinde, und final vollständiges Abfallen der Rinde am ganzen Stamm.

    Die Entwicklung vom Ei bis zum fertig entwickelten, ausflugbereiten Jungkäfer dauert normalerweise 6 Wochen. In diesem Jahr hat sich die das aufgrund der warmen Witterung um bis zu 2 Wochen verkürzt. Jedes Weibchen produziert bis zu 80 Nachkommen. Sobald sich der Käfer aus der Larve entwickelt hat, fliegt er zum nächsten gesunden Baum, bohrt sich dort ein und legt eine neue Brut an. Daher ist es vor allem wichtig, schnellstmöglich die noch gesund erscheinenden Bäume, welche die oben aufgezählten Befallsmerkmale aufweisen, zu fällen. In diesen findet die Anlage der neuen Brut statt. Aus bereits abgestorbenen Bäumen ist die neue Käfergeneration bereits ausgeflogen und sie eignen sich nicht für eine neuerliche Brut, da der Käfer hierfür „frische“ Bäume benötigt.

    Es ist ein Desaster. Sobald Herr Plescher einmal mit dem Auszeichnen / Ernten befallener Bäume durch ist, muss er schon wieder mit der nächsten Runde anfangen.


    Die Eindämmung der Schädlinge ist momentan die dringlichste Aufgabe und hat oberste Priorität. Es gilt zu verhindern, dass die jetzt in Brut befindliche voraussichtlich letzte Käfergeneration des Jahres 2018 zum Ausflug kommt und nach der Überwinterung hinter der Rinde und anteilig in der Nadelstreu im kommenden Frühjahr bei hoher Ausgangspopulation noch gravierendere Folgeschäden an den Waldbeständen verursacht als schon in diesem Jahr.

    Die befallenen Bäume müssen schnellstmöglich gefällt und die Holzpolter am Weg chemisch behandelt werden, um die Käfer abzutöten. Normalerweise ist dies für den Förster die ultima ratio. In der derzeitigen Situation gibt es dazu allerdings keine Alternative mehr! Eine zeitnahe Vermarktung und Abfuhr der bereits aufgearbeiteten und im Weiteren anfallenden Holzmengen, kann aufgrund des gesättigten Holzmarktes in Folge von Sturm „Friederike“ und der anhaltenden Borkenkäferkalamität nicht gewährleistet werden.

    Die sogenannte Vorausflugbegiftung mit Insektiziden ist PEFC-konform. Es werden nur anerkannte Pflanzenschutzmittel verwendet.

    Bislang sind vor allem das Hobholz und die Waldgebiete oberhalb von Oberems sowie der Nachbarwald und der Kapellenberg im Ortsteil Schloßborn betroffen.

    Uns hat es vorgestern schier die Tränen in die Augen getrieben beim Anblick der Ausmaße. Der Hang vom Kapellenberg ist nahezu abgeholzt und noch ist kein Ende in Sicht.

    Unser Gemeindewald besteht zu 30 % aus Fichten. Bislang mussten wir schon über 3600 Festmeter Fichtenholz aufgrund von Windwurf und vor allem Käferbefall einschlagen. Das entspricht ungefähr der gesamten Jahresholzproduktion. Herr Plescher wird in Kürze noch einmal sämtliche Bestände im Gemeindewald auf Borkenkäferbefall absuchen und befallenes Holz ernten müssen.

    Ob die Neupflanzungen des vergangenen Frühjahrs den heißen Sommer überlebt haben ist noch fraglich - bislang ist keine Zeit dem nachzugehen. Alle Energie geht jetzt in die Eindämmung des Schädlingsbefalls.

    Seit vergangenen Freitag ruft die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Waldeigen-tümer dazu auf, sich an der Demonstration im Rahmen der Agrarministerkonferenz in Bad Sassendorf zu beteiligen. Die Forderung: Land und Bund müssen reagieren und die Möglichkeiten des Forstschädenausgleichsgesetzes nutzen, um sämtliche Nadelholz Frischeinschläge für eine bestimmte Zeit zu stoppen bis eine Marktbereinigung erzielt wurde.


    https://www.waldeigentuemer.de/die-waldeigentuemer-protestieren-demonstration-und-waldbegehung-in-bad-sassendorf/


    Auch wir werden unser Interessenvertretungen und unsere Ministerin auffordern, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.


     


    Veröffentlicht: Glashütten, den 06.09.2018


    Der Gemeindevorstand

    Brigitte Bannenberg – Bürgermeisterin