Nachkriegszeit - Glashütten

    Manfred Roeder, Dr. jur. (1900-1971)

    Dass zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland helle und dunkle Epochen gleichermaßen gehören, wird in Glashütten exemplarisch greifbar an Manfred Roeder.

    Er war als hochrangiger Jurist Teil des verbrecherischen Systems während der NS-Diktatur und als Ankläger und Richter für zahlreiche Todesurteile gegen Widerstandskämpfer der „Roten Kapelle“ verantwortlich. Nach dem Krieg wurde er dafür nie zur Rechenschaft gezogen und auch nicht verurteilt.

    Von 1963 bis zu seinem Tode 1971 lebte er unbehelligt in Glashütten und war hier kommunalpolitisch aktiv, u. a. als Erster Beigeordneter.

    2015 wurde vom Gemeindevorstand beschlossen, die im Gemeindearchiv vorhandenen, aber bisher ungeordneten Akten zum Wirken Roeders in Glashütten auswerten zu lassen.

    Mit Roeder in Glashütten beschäftigen sich bislang zwei Aufsätze, die im Jahrbuch Hochtaunuskreis erschienen sind und hier, mit freundlicher Genehmigung des Hochtaunuskreises, nachzulesen sind:

    2017 erschien im Jahrbuch des Hochtaunuskreises der Artikel von Frau Ingrid Berg, (Lokalhistorikerin und Mitglied des ehrenamtlichen Archivteams der Gemeinde Glashütten):

    Ingrid Berg, Kommunalpolitik mit NS-Vergangenheit? Manfred Roeder als Beigeordneter in Glashütten, in: Jahrbuch Hochtaunuskreis 26 (2018), S. 205–219.

    2019 erschien ebenfalls im Jahrbuch des Hochtaunuskreises ein Artikel von Professor Dr. Johannes Tuchel (Deutscher Politikwissenschaftler und Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin):

    Johannes Tuchel, Normalität der Integration oder Ignoranz der Verbrechen? Überlegungen zu Manfred Roeder als Beigeordneter in Glashütten, in: Jahrbuch Hochtaunuskreis 28 (2020), S. 173-187.

    2019 fand im Bürgerhaus Glashütten eine Vorführung des Films „Die guten Feinde – Mein Vater, die ROTE KAPELLE und ich “ mit anschließender Diskussion statt, zu der die SOG-Gruppe eingeladen hatte. Der Regisseur Christian Weisenborn stellte persönlich seinen Film vor und beantwortete Fragen aus dem Publikum.

    Ebenso befassen sich inzwischen zahlreiche Veröffentlichungen, Filme und Presseartikel mit Manfred Roeder.