Station III

    Seit wann gibt es Glas?

    Bei über 4000 Jahren Glasgeschichte sollte man sich erst einmal setzen. Darum hat sich die Künstlerin Ines Nickchen diese liegende Vitrine zum Draufsetzen ausgedacht. Das Glitzern und die Transparenz waren sicher schon immer das Faszinierendste am Werkstoff Glas.  In der Vitrine ist eine Landschaft aus Glas statt aus Steinen und Erde.  Eine weiß matte kleine Glasscheibe erinnert daran, dass auch die Römer schon solche Fensterscheiben hatten. Und Glashütten für Glashütten aus dem Keramikofen von Ines Nickchen. Die Glaslandschaft besteht dagegen aus Dallglas (gegossenem Glas). Es kommt, wie auch das andere farbige Glas des waldGLASwegs, aus der berühmten Glashütte Lamberts in Waldsassen, die noch heute nach den alten Methoden Glas herstellt. Große Glaskolben werden mit dem Mund geblasen, abgeschnitten und am nächsten Tag aufgeschnitten und in einem Streckofen zu flachen Glasplatten verwandelt.

    Glastechnik: Der Vitinenboden besteht aus 2 Glasscheiben TVG  mit 4 xEVA Folien, die Sitzfläche aus einem Verbund von TVG-, ESG-, TVG- Glas also 3 Glascheiben und 4x EVA  Folien.Die Sitzoberfläche wurde vor dem Vorspannen mit dem Text  sandgestrahlt. Die Füße der Bänke sind aus Floatglas mit Edelstahlstäben. Das Floatglas ist mit glasklarem UV Kleber flächig verklebt. In der Vitrine befinden sich geschlagene Dallglasbrocken.
    Die Wände der Glashütten hat Ines Nickchen in ihrem Elektroofen bei 850°C aus mundgeblasenem Echtantikglas und Flaschenglas verschmolzen und mt Silikonkleber verbunden.

    Text: Andreas Hart


    Urheberin der dargestellten Glasinstallation: Ines Nickchen
    Foto: Ines Nickchen

    Text auf der Bank Station III

    Seit über 4.000 Jahren kennt die Menschheit den Werkstoff Glas, eine Flüssigkeit, die aus geschmolzenem Quarz hergestellt wird und niemals ganz erstarrt.

    Reiner Quarz oder Quarzsand schmilzt erst ab ca. 1.800° C. Wenn aber einem Teil Sand zwei Teile Asche zugefügt werden, lässt sich der Schmelzpunkt auf ca. 1.100° C. herabsetzen.

    Vom 2. Jahrtausend vor Chr. bis in das 1. Jahrhundert nach Chr. wurden Glasgefäße, zunächst in Ägypten und Syrien, um einen Sandkern herum geformt.

    Im 1. Jahrhundert v. Chr. wird die Glasmacherpfeife erfunden, und die Technik des geblasenen Hohl- und Flachglases setzt sich langsam durch.

    Die Römer im Germanien des 1. bis 4. Jahrhunderts nach Chr. hatten schon Glasfenster in ihren Kastellen am Limes und benutzten schön geformte und verzierte Glasgefäße. Es gab aber keine eigene Produktion im Taunus. Glas wurde importiert.

    Für das späte 12. Jahrhundert nach Chr. konnten mehrere Ein-Ofen-Anlagen im Taunus nachgewiesen werden, in denen Glas aber nur geschmolzen wurde. An anderer Stelle (in Klöstern, Burgen) wurde es ausgearbeitet.

    Im 15. Jahrhundert arbeiteten drei Waldglashütten im Glaskopf- und Emsbachgebiet. Schmelzen und die Weiterverarbeitung zu Gebrauchsgegenständen fand jetzt an einem Ort statt. Die Glashütte „An der Emsbachschlucht“ ist die älteste. Hier wurden nur Produkte aus einfachem grünem Waldglas produziert. In der Glashütte „Unterhalb Dornsweg“ wurde Glas in vielen Farben hergestellt. Eine Besonderheit ist das rote Glas. Die Glashütte „Am Buchholzweg“ fertigte Gefäße mit besonders schönen Verzierungen an.

    Anfang des 17. Jahrhunderts bestand für eine kurze Zeit die „Alte Glashütte Oberems“ im Hobholz.

    1676-1686 Betriebszeit der Kauffelt-Hütte am Stockborn. Der Ort Glashütten wird danach gegründet.

    1695-1700 Betriebszeit der Wentzel-Hütte am Kalbshecker Bach (Gemarkung Schloßborn).

    Danach Ende der Waldglashütten und Beginn der Manufakturen.

    Text: Ingrid Berg