Offener Brief an Minister Peter Beuth

    Brigitte Bannenberg - Bürgermeisterin

    Offener Brief

    Sehr geehrter Herr Minister Beuth,

    wie Sie ja bereits gehört haben, werden wir hier mit der gegenwärtigen Situation des Besucheransturms auf und unterhalb des Feldbergs allein, ohne weitere Unterstützung nicht mehr Herr der Lage.

    Die Sperrungen auf dem Feldbergplateau haben unmittelbar dazu geführt, dass wir als nahe gelegene Kommune den Besucheransturm mit allen negativen Folgen abbekommen haben! Es wird jeden Tag schlimmer. Aufgrund der heutigen Sperrung der B8 bis zur Abfahrt Schloßborn und in Oberems Richtung Kittelhütte, hatten wir in Glashütten, Schloßborn und insbesondere Oberems als für die Tagesbesucher letzte Ausweichmöglichkeit im Feldbergbereich den gesamten verbleibenden Besucheransturm zu ertragen!

    Trotz Sperrung der B8 kamen an diesem Wochenende die PKW-Massen über Schloßborn und noch weiter ausgeholt über Idstein Richtung Glashütten um jeden noch so geringen Raum am Straßenrand, auf privaten Flächen, auf Wiesen- und Ackerflächen unberechtigt als Parkfläche zu besetzen. Bei diesen Besuchermassen werden Straßenverkehrsregeln nicht eingehalten, Feuerwehr- und Rettungskräfte werden behindert und Privateigentum (landwirtschaftliche Fläche) kurzerhand als Parkfläche „enteignet“. Vom anschließenden Zustand unseres bereits so geschundenen Waldes oder der Freiflächen ganz zu schweigen.

    Unter der akuten, höchst schwierigen Corona-Situation und den behördlich geltenden Regeln, ist es unerträglich, in Kauf zu nehmen, dass durch die Feldbergsperrung und die Zufahrten diese Besuchermassen nunmehr in unsere Gemeinde gelenkt werden. Niemand (!) von den hunderten Besuchern trägt eine Maske, noch wird Abstand zueinander gehalten, oder anderweitig Rücksicht genommen. Davon konnte ich mich in den letzten Tagen und besonders gestern und heute selbst überzeugen, weil ich stundenlang unterwegs war, um mir ein

    Bild zu machen, die Leute anzusprechen und auf bestehende Regelungen hinzuweisen. Die Betroffenen sind leider überwiegend uneinsichtig und die örtliche Polizei kann die notwendige Präsenzmit dem vorhandenen Personal augenscheinlich kaum so gewährleisten, um Mindestregelungen durchzusetzen.

    Insbesondere nach den Auflagen für die Weihnachts- und Silvestertage, an die sich die Menschen hier in der Gemeinde vorbildlich gehalten haben, oftmals nicht mit Ihren Familie feiern konnten bzw. nur im kleinen Kreis, Geschäfte schließen mussten usw. ist es absolut nicht verständlich, dass diese sinnvollen Regelungen durch das aktuelle Besuchergeschehen quasi als aufgehoben hingenommen werden.

    Das Land Hessen darf nicht akzeptieren, dass unsere Bevölkerung durch das geschilderte Geschehen so gefährdet wird! Wenn das Land nicht unmittelbar hilft und umsichtig und in Abstimmung mit uns sofort handelt, entsteht im Hochtaunus ein Hotspot, der zu verhindern gewesen wäre.

    Die bundesweiten Appelle an die breite Bevölkerung scheinen offensichtlich zu verhallen und neben den unvorsichtigen Menschen, gibt es leider auch genügend CORONA Gegner, denen die Auflagen schlicht egal sind. Die zu erwartende, anstehende Verlängerung des Corona-Lockdowns lässt befürchten, dass eine weitere Verschlimmerung der Gesamtsituation eintritt.

    Es ist der Bevölkerung nicht zu vermitteln und fördert nicht die angestrebte Disziplin im Umgang mit den Corona-Maßnahmen, dass diesem Verkehrschaos und den daraus entstehenden Nachteilen für die lokale Bevölkerung vom Land Hessen tagelang zugesehen wird. In den nächsten Tagen setzt sich das Winterwetter fort und eines darf nicht passieren, dass der Taunus aus diesem Grund zum Corona-Hotspot wird!

    In unserer Kommune mit 5.400 Einwohnern können wir mit unseren vorhandenen Ordnungskräften gegen diese Menge von Regelverstößen allein nichts ausrichten und brauchen dringend Unterstützung durch die Landespolizei.

    Gerade in Glashütten – und die aktuellen Zahlen bestätigen dies - haben sich die Bürger*innen vorbildlich an die Corona Regeln gehalten. Wir sind nicht bereit, dass dies, was hier am Wochenende auch aufgrund der weiteren unkoordinierten Straßensperrungen verursacht wurde, zu akzeptieren.

    Die Bürger*innen erwarten zurecht eine koordinierte Handlungsstrategie des Landes. Die Gemeinde Glashütten benötigt dringend Unterstützung durch die Landespolizei. 

    Gemeinsam zwischen Land Kreis und Kommunen benötigen wir ein Konzept zur Unterbindung derartiger Massenaufläufe.


    Mit freundlichen Grüßen

    gez.

    Brigitte Bannenberg
    Bürgermeisterin der Gemeinde Glashütten