Pressemitteilung - 08.03.2021

    Resümee nach 2 Jahre Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) mit der Stadt  Usingen/Neu Anspach im Bereich Kämmerei (seit 2019) und Kasse (seit 2020)

    Die Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) mit der Stadt Usingen/Neu Anspach im Finanzwesen ist ein voller Erfolg.

    Die Zusammenarbeit seit Januar 2019 im Bereich der Kämmerei und ab Januar 2020 im Bereich der Kasse hat zu wesentlichen Leistungs- und Qualitätsverbesserungen und Kosteneinsparungen für die Gemeinde Glashütten geführt.

    Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

    Die Kämmerei Glashütten bestand in der Vergangenheit aus einer 1-Mann/Frau-Abteilung. Im Urlaubs- und Krankheitsfall war personell keine fachliche Vertretung vorhanden. Im Bereich der Kasse gab es eine eingeschränkte fachliche Vertretung.

    Mit Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik kamen neue Herausforderungen auf die Finanzabteilungen der Kommunen zu, mit der die Gemeinde Glashütten zu Beginn meiner Amtszeit, im Jahre 2015, noch sehr beschäftigt war.

    Darüber hinaus war zu dem Zeitpunkt die Kämmerei unbesetzt, die notwendigsten Aufgaben wurden mit einer externen Kraft bewältigt, die temporär vor Ort war. Auch in der Folgezeit gab es leider immer wieder Personalwechsel in der Kämmerei bzw. konnte kein geeignetes qualifiziertes Personal gefunden werden.

    Gutes Fachpersonal im Bereich der kommunalen Finanzen ist aufgrund der Besonderheiten im kommunalen Haushaltsrecht und der daraus folgenden Komplexität, stark nachgefragt. Glashütten befindet sich als kleine Kommune hier in dauerhafter Konkurrenz um Fachpersonal mit großen Kommunen, die bessere Angebote mit mehr Entwicklungsmöglichkeiten bieten können. Fluktuation und Abwerbungen innerhalb der kommunalen Familie sind eine Folge des Fachkräftemangels in diesem Bereich.

    Um die personellen und fachlichen Lücken aufzufangen, war Glashütten immer wieder auf kostenintensive, externe fachliche Unterstützung angewiesen, um die dringlichsten Arbeiten erledigen zu können. Aufgrund dieser negativen Erfahrungen seit Einführung der Doppik und der hiermit zusammenhängenden Aufgaben und mit dem Wissen um den Ruhestand des langjährigen Kassenleiters, der Ende 2019 anstand, haben wir nach einer dauerhaften, tragfähigen und den Ansprüchen der Gemeinde angemessenen Lösung gesucht und diese auch gefunden.

    Das Land Hessen fordert und fördert mehr Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ). Zu einer erfolgreichen IKZ sind aber Voraussetzungen zu erfüllen, die zwischenzeitlich in Glashütten geschaffen wurden. Die systemtechnischen Bedingungen wurden in der Verwaltung mit der Realisierung der Cloud erreicht (Anschluss an die ekom21, das größte kommunale IT-Dienstleistungsunternehmen in Hessen). Damit waren die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, einen IKZ-Partner auszuwählen, erfolgreich Verhandlungen zu führen und ohne erheblichen Aufwand die IKZ im Bereich der Kämmerei und des Steueramts umzusetzen.

    Bereits seit 2006 übernimmt die Stadt Usingen erfolgreich die Arbeiten der Kämmerei, der Kasse und des Steueramts für die Stadt Neu Anspach. Gegenüber Glashütten konnte Usingen schlüssig darlegen, wie die anstehenden laufenden Arbeiten sowie das Aufarbeiten der Rückstände aus der Vergangenheit qualifiziert und mit hoher Qualität übernommen werden können.

    Die schließlich erfolgreichen Verhandlungen wurden mit dem Ziel geführt, die Arbeitsprozesse im Bereich der Kämmerei fachlich für Glashütten optimal zu gestalten. Darüber hinaus sollten Synergieeffekte erzielt werden, die selbst bei vorsichtigen Schätzungen zu Kosteneinsparungen von etwa 15% führen sollten. Für die Gemeindeverwaltung und die gemeindlichen Gremien stand aber die eindeutige Verbesserung der Qualität im Finanzwesen im Vordergrund.

    So entschied sich erfreulicherweise die Gemeindevertretung am 31.01.2019 für die interkommunale Zusammenarbeit mit Usingen/Neu-Anspach.im Bereich der Kämmerei und der Kasse.

    Fazit der bisherigen Zusammenarbeit

    Die Arbeit der Kämmerei und der Kasse Usingen/NeuAnspach/Glashütten bringt für Glashütten nur Vorteile.

    Es steht dort für Glashütten ausreichend qualifiziertes Fachpersonal zur Verfügung, so dass insb. Vertretungsregelungen im Urlaubs- und Krankheitsfall durchweg gegeben sind und damit alle Aufgaben kontinuierlich erfüllt werden können.

    Für Glashütten ist ein ganzes Fachteam im Bereich der Kämmerei und der Kasse verantwortlich, welches wir in Glashütten weder wirtschaftlich darstellbar, noch räumlich umsetzbar, vorhalten könnten.

    Nach nun gut zwei Jahren interkommunaler Zusammenarbeit mit Usingen/Neu Anspach konnten alle Erwartungen eindeutig erfüllt werden. Neben anderen wichtigen Erfolgen für die Praxis wären zu nennen, dass maßgebliche Teile der Buchhaltung und Kosten- und Leistungsrechnung umgesetzt wurden.

    Die Aufstellung der Jahresabschlüsse erfolgt jetzt zeitnah. Die schon lange offenen Prüfungsfeststellungen von 2009 – 2012 wurden abgearbeitet. Die noch ausstehenden Jahresabschlüsse 2013 – 2017 wurden betreut.

    Glashütten belegt zwischenzeitlich im Status aufgestellter und geprüfter Jahresabschlüsse eine der führenden Plätze im Hochtaunuskreis.

    Die IKZ Abteilungen Usingen/Neu-Anspach sahen sich von Beginn an als Teil der Verwaltung von Glashütten. Die sehr kollegiale Zusammenarbeit zeigt ganz deutlich, dass Usingen nicht als externer Dienstleister auftritt. Die gute Zusammenarbeit mit allen Abteilungen bestätigt dies. Sowohl im Glashüttener Rathaus als auch bei der großen Mehrheit der politischen Verantwortlichen genießt diese IKZ ein gutes Ansehen.

    Darüber hinaus konnten nachweisbar Einsparungen erzielt werden! Selbst in den arbeitsintensiven Jahren 2019 und 2020 konnten bereits nachweislich über 10 % der Kosten der Kämmerei gegenüber den Vorjahren mit eigenem Personal eingespart werden.

    Nachdem nun der Großteil der Aufarbeitung abgeschlossen ist, wird sich der im Finanzwesen verbleibende Personalaufwand in Glashütten auf einem niedrigeren Niveau einpendeln. Mit einer vorsichtigen Prognose gehen wir ab 2021 davon aus, rund 1/3 der Kosten p.a. im Vergleich zu früher einzusparen. Damit würde die ursprünglich angestrebte Kosteneinsparung von 15 % in etwa verdoppelt.

    Im Bereich der Kasse konnten bereits 2020 Einsparungen von ca. 24 % erzielt werden, die in den Folgejahren eher noch überschritten werden sollten.

    Es zeigt sich daher auch in finanzieller Hinsicht, wie wegweisend die Zusammenarbeit für die Gemeinde Glashütten ist, ohne dass die Ansprüche seitens der Gemeinde reduziert wurden. Ganz im Gegenteil, die Qualität im Finanzwesen ist eindeutig gestiegen.

    Die Finanzverwaltung in Glashütten wiederaufzubauen, würde bedeuten, sich erneut in die Restriktionen zu begeben, die durch die IKZ eindeutig behoben worden sind. So würden nicht Kosten eingespart, sondern erneut höhere Kosten verursacht. Wir holen ja auch das Standesamt nicht nach Glashütten zurück, weil es einfach seit Jahren in der IKZ mit Königstein sehr viel besser funktioniert und für die Trauwilligen auch über viel repräsentativere Räumlichkeiten verfügt.

    Anders als im Bereich „Bauen“ stehen die Kommunen im Bereich der Kämmerei und der Kasse nicht in Konkurrenz. Hier sind die Regeln für jede Kommune, abhängig von verschiedenen Parametern und der Größe, klar definiert. Eine IKZ kann in diesem Bereich eindeutig nur von Vorteil sein. Im Jahr 2019 erhielt die Gemeinde Glashütten für diese IKZ Zusammenkunft eine Förderung vom Land Hessen in Höhe von 25.000 €.

    Wenn es so etwas wie Konkurrenzbereiche im kommunalen Bereich gibt, dann sind es die Bereiche Verkehrsanbindung, Infrastruktur (z.B. Glasfaser, Mobilfunknetz), die Bereiche Stadtentwicklung, Bauen/Wohnen und Wirtschaft, denn diese Bereiche haben einen starken Einfluss auf die Attraktivität einer Kommune und die finanzielle Ausstattung z.B. den Einkommensteueranteil, den eine Kommune erhält oder wie viel Einnahmen über die Gewerbesteuer erzielen werden kann.

    Kommunale Haushalte sind öffentlich und transparent!

    Die Finanzplanung wird durch die Gemeindevertretung der Gemeinde Glashütten im Haushaltsplan festgelegt. Sowohl die Haushaltsberatungen in öffentlichen Sitzungen als auch der Haushaltsplan selbst sind deshalb nachvollziehbar und vollständig transparent. Der Haushaltsplan ist auf der Homepage der Stadt jederzeit öffentlich einsehbar und darüber hinaus auch in digitaler Form interaktiv abrufbar. Gerade seit der IKZ-Zusammenarbeit ist der Haushaltsplan noch nachvollziehbarer gestaltet und durch viele vergleichende, visuelle Kennzahlen ergänzt. Es gibt nur wenige Kommunen, die dies bereits in dieser Breite anbieten.

    Die Eigenverantwortung bleibt bei unserer IKZ zu 100 % bei der Gemeinde Glashütten, denn wir bestimmen und beschließen unsere Finanzen.

    gez.

    Brigitte Bannenberg
    Bürgermeisterin