Hochtaunuskreis: Das Veterinäramt informiert

    Verhaltensauffällige Wildtiere können Staupevirus haben

    Derzeit werden immer wieder erkrankte Füchse, Marder und Waschbären mit erheblich gestörtem Allgemeinbefinden von Bürgern aufgefunden. Bei Untersuchungen von toten Tierkörpern, die das Veterinäramt des Hochtaunuskreises beim Landesbetrieb Hessisches Landeslabor veranlasst hat, wurde bei mehreren untersuchten Füchsen, Mardern und einem untersuchten Waschbären nun aktuell das Staupevirus festgestellt.

    Daher sind folgende Verhaltensregeln im Umgang mit  auffälligen Wildtieren dringend zu beachten:

    Die Krankheitssymptome, die Waschbären, Marder oder Füchse bei Staupe zeigen, können denen der Tollwut ähneln. Wenn Bürger Wildtiere mit Verhaltensauffälligkeiten wie Verlust der Scheu, Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen oder Aggressivität bemerken, ist es am besten, den für das Gebiet zuständigen Jäger, die Gemeinde oder die Polizei zu informieren.

    Waschbären, Füchse oder Marder mit verdächtigen Krankheitssymptomen müssen außerhalb geschlossener Ortslagen von Jägern tierschutzgerecht getötet werden, da die Erkrankung fast immer tödlich verläuft. Innerhalb von Ortschaften  übernimmt die Polizei diese Aufgabe.

     

    Die toten Tiere können zum Ausschluss einer Tollwut-Infektion zum Landeslabor nach Gießen zur Untersuchung gebracht werden, sie müssen es aber nicht. Die Tollwut ist seit 2008 bei keinem untersuchten Fuchs in Deutschland mehr festgestellt worden, das Land gilt seit Oktober 2008 als tollwutfrei.  Den Transport der beim Veterinäramt abgegebenen toten Tiere nach Gießen übernehmen Mitarbeiter des Amtes.

    Für die Entsorgung verendeter Tiere ist grundsätzlich der Eigentümer des Grundstücks verantwortlich, auf dem das Tier gefunden wurde. Ist das Tier vor seinem Tod mit Verhaltensauffälligkeiten gesehen worden, kann der Grundstücksbesitzer oder ein Jäger in Abstimmung mit dem Veterinäramt das tote Tier untersuchen lassen. Allerdings werden die toten Tiere nicht vom Veterinäramt abgeholt, die Grundstückeigentümer müssen die Kadaver zum Amt bringen.

    Verhaltensauffällige Wildtiere mit Krankheitssymptomen sollen in jedem Fall durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt SÜPRO in Hüttenfeld  entsorgt werden, das Vergraben im Wald ist in diesen Fällen nicht der richtige Entsorgungsweg.

     

    Hintergrund:
    Bei der Staupe handelt es sich um eine durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) hervorgerufene, hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden und anderen Fleischfressern wie Fuchs, Wolf, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund. Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine Symptome. Für Menschen ist die Staupe völlig ungefährlich. Das Staupevirus ist eng verwandt mit dem Masernvirus des Menschen. Es wird durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen. Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen durch gegenseitiges Belecken und Tröpfcheninfektion anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf.

    Jungtiere sind durch Alttiere, die zwar das Virus in sich tragen und ausscheiden, aber nicht erkrankt sind, besonders gefährdet. Bei Hunden verläuft eine Staupeerkrankung häufig sehr schwerwiegend, oft tödlich oder mit bleibenden Schäden für das Tier. Einen wirksamen Schutz für Hunde garantiert nur eine vorbeugende Impfung.

    Deshalb sollte jeder Hundehalter dringend den Impfschutz seines Hundes kontrollieren. Nach der Grundimmunisierung sollte der Impfschutz nach den Vorgaben des Impfstoffherstellers wieder aufgefrischt werden, spätestens alle drei Jahre ist das der Fall.

    Obwohl sich die Häufigkeit des Auftretens der Staupe zunächst durch regelmäßige Schutzimpfungen erheblich verringert hat, gibt es nun europaweit eine Zunahme von Staupefällen auch bei Hunden. Hier spielen unter anderem die Virusreservoire Fuchs und Marder und zunehmend auch der Waschbär, die Impfmüdigkeit der Hundehalter und der zunehmende Ankauf von nicht geimpften oder infizierten Hunden aus dem Ausland eine Rolle.

    Wildtiere, insbesondere Waschbären, leben immer häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen. So können sich nicht geimpfte Hunde nicht nur durch andere Hunde, sondern auch durch Wildtiere in ihrer näheren Umgebung oder beim Waldspaziergang infizieren.

    Hochtaunuskreis, 23.08.2017